Design meets Smartness in Graz

Graz wird smart. Das Wort, vielfach inflationär gebraucht, bedeutet in dem Zusammenhang: bestehendes Stadtgebiet so intelligent zu planen, umzugestalten und zu erweitern, dass es den zukünftigen Anforderungen gerecht wird. Das ist dringend nötig, denn Graz wächst und wächst, bis 2050 werden 490.000 Menschen in der Stadt leben – aktuell sind es rund 280.000. Smart bedeutet auch, sich in puncto Energie auf den neuesten Stand zu begeben. In Graz, wo der Luftaustausch vor allem im Winter nur unzureichend erfolgt, bedeutet das beispielsweise eine weitere Reduktion der Schadstoffemissionen. Viel tut sich zudem, was die gesellschaftliche Entwicklung betrifft. Integration, Zusammenleben und Kommunikation sind die Schlagworte. Zudem entwickeln sich neue Wohnformen wie Generationenwohnen oder Senioren-WGs, die in der städtebaulichen Debatte nicht fehlen dürfen.

Mit der Smart City Graz, die rund um die List-Halle in Bahnhofsnähe aus dem Boden schießt, entsteht gerade ein Gegenentwurf zur lange Zeit praktizierten Zersiedelung an den Stadträndern. Städtische Strukturen werden dabei neu gedacht, bestehende Gebäude verdichtet, der neue Lebensraum an ein gutes öffentliches Verkehrsnetz angeschlossen. Intelligente Gebäude- sowie Fassadentechnologie, die unbemerkt im Hintergrund laufen, machen aus den Bauten Kraftwerke, der Strom wird innerhalb des Grätzels verbraucht. Für den Architekten, technischen Leiter und Moderator im Projekt, Markus Pernthaler, ist ein Quartier wie die Smart City Graz die beste Basis für eine gelingende Stadtentwicklung: Eine Stadt in der Stadt sozusagen, ein Quartier oder ein Grätzel, das nicht nur sich selbst mit Strom versorgt, sondern alles bereithält, was für das tägliche Leben gebraucht wird: Schulen und Ausbildungsplätze, Einkaufsmöglichkeiten, ärztliche Versorgung, Freizeit- und Arbeitsangebote. Das Ganze fußläufig, sodass die Bewohner ihre Autos beruhigt stehen lassen können – für die in der Smart City ohnehin nur wenige Parkplätze vorgesehen sind, weil statt dessen auf Car- oder Bikesharing sowie öffentliche Verkehrsmittel gesetzt wird. Zero Emission heißt die Mission, die bis 2050 umgesetzt werden soll.

Kai-Uwe Hoffer von der Stadtbaudirektion Graz ist als Projektleiter für das Projekt Smart City Graz hauptverantwortlich. Es war ein Meilenstein für die Grazer Stadtentwicklung, dass das 2012 eingereichte Demo-Projekt beim Klima- und Energiefonds des Bundesministeriums für Forschung, Information und Technologie (BMFIT) das Rennen machte und als erstes österreichisches Leitprojekt zur Förderung empfohlen wurde. Damit konnte die Stadt Graz gemeinsam mit dem Projektkonsortium 4,2 Mio. Euro Fördergelder in die Steiermark holen. Die Smart City wird als Public-Private-Partnership-Projekt finanziert, städtebauliche Verträge zwischen der Stadt sowie Eigentümern und Investoren sichern Umsetzung und Finanzierung der Smart City Qualitäten. Das Konsortium, bestehend aus zwölf Partnern – bringt zusätzliche finanzielle Mittel ein, damit die Stadt Graz als Projektverantwortliche der Smart City die Zukunftsfähigkeit und hochwertigen Lebensraum im Stadtquartier für Ihre Bürger sicherstellen kann. Über die Verträge ist wiederum abgesichert, dass die Partikularinteressen der Beteiligten einer nachhaltigen Stadtentwicklung untergeordnet sind.

 

Daniela Müller für Designmonat Graz

www.designmonat.at