Das Projektgebiet “My Smart City Graz”

Der Statteil “My Smart City Graz” befindet sich im Umfeld der Helmut List halle an der Waagner-Biro-Straße liegt rund 2 km nordwestlich der Grazer Innenstadt. In unmittelbarer Nähe (ca. 500 m) befindet sich das Landeskrankenhaus Graz-West und das Unfallkrankenhaus, der Grazer Hauptbahnhof liegt ca. 800 m weiter südlich. Unmittelbar südlich grenzt das Bundesoberstufenrealgymnasium Dreierschützengasse an.

Auf der Ostseite des Areals verläuft die  Eisenbahntrasse und der Hauptbahnhof Graz, im Norden befindet sich mit der Peter-Tunner-Gasse als eine wichtige Ost-West-Straßenverbindung. Das Planungsgebiet des städtebaulichen Rahmenplans erstreckt sich auf eine Fläche von ca. 127.000 m². Das Areal gliedert sich in zwei Teile, östlich rund 82.000 m² und westlich rund 45.000m² der Waagner-Biro-Straße.

Das Areal ist über die Waagner-Biro-Straße und die Peter-Tunner-Gasse sowohl von Süden  als auch von Norden mit öffentlichen und motorisierten Verkehrsmitteln gut erreichbar. Die Anbindung an das Straßenbahnnetz befindet sich derzeit in Vorbereitung. Die Verlängerung der Straßenbahnlinie wird ab Ende 2021 von der Laudongasse über die Waagner Biro Straße bis zur Peter Tuner Gasse führen.

Das Siedlungsgebiet in der Nachbarschaft ist weitgehend heterogen bebaut, neben diversen Industriebetrieben vor allem entlang der Eisenbahnlinie, befinden sich zahlreiche größere Verkaufs- und Gewerbeflächen, diverse Einfamilienhausgebiete, teils recht hohe Wohnanlagen der 60-er und 70-er Jahre des 20. Jahrhunderts, sowie einige neuere Wohnbauten im Umkreis des Betrachtungsareals.

Entwicklung der My Smart City Graz

Im heterogenen, ehemaligen Industriegebiet nahe dem Grazer Hauptbahnhof wird ein neuer energieautarker Stadtteil entstehen. In einem integrativen Planungsprozess sollen hier erstmals Energietechnologien für die intelligente „Zero Emissions“-Stadt demonstriert werden. Die Projektinhalte umfassen

  • die Erprobung von neuen Komponenten wie z. B. neue Solarmodule, solare Kühlung, urbane Solarstromerzeugung, integrierte Fassadentechnologien, Mini-BHKW, Smart Heat Grids
  • die Umsetzung von Demonstrationsbauten (Forschungsturm, PV-Pilotanlage „Grätzel-Zelle“, Energiezentrale und lokales Energienetz sowie Wohnanlagen und gewerbliche Flächen mit innovativen Gebäudetechnologien)
  • Konzepte für nachhaltige urbane Mobilität inkl. Elektromobilität

In der untenstehenden Abbildung sind die einzelnen Projektvorhaben der My Smart City Graz dargestellt. Die Baublöcke sind in der dargestellten Anordnung nicht fixiert, sondern stammen aus einer Vorstudie zur möglichen Bebauung. Die detaillierte Ausführung wird in Architekturwettbewerben ermittelt.

Das begleitende Stadtteilmanagment vor.ort ist von Beginn der Etnwicklung der My Smart City Graz Partnerin im Stadtteil und ist Anlaufstelle im Stadtteil für alle interessierten Personen im Stadtteil. Zahlreiche Informations- und Beteiligungsangebote wurden durchgeführt, die Ergebnisse flossen so gut als möglich in die darauffolgenden Planungen mit ein.

Weitere Informationen zur My Smart City Graz

Modellfoto My Smart City Graz

Mit 3D-Technik in den neuen Stadtteil eintauchen

Um eine genauere Vorstellung vom künftigen Stadtteil  zu erhalten, wurde von der Grazer Firma uwalkin eine 3D-Animation anhand des Arbeitsmodells erstellt. Der User kann nun ganz einfach in das städtebauliche Modell eintauchen und sich einen Überblick über die neuen Gebäude machen. Sicherlich entspricht ein Modell niemals ganz genau der Wirklichkeit, auch die einzelnen Straßendetails etc. sind (noch nicht) dargestellt. Jedoch soll diese Technologie die Möglichkeit bieten, die künftige Smart City Graz zumindest digital schon zu betreten.

Eintritt über diesen Link oder direkt über Klick auf das Bild unten.

Ladezeit dauert ein paar Sekunden. Mit der Maus können Sie im Modell navigieren und zoomen.

uwalkin

Rahmenplan My Smart City Graz

Die Grundstücke unmittelbar an der Waagner-Biro-Straße, im Abschnitt Dreierschützengasse bis Peter-Tunner-Straße wurden während der letzten ca. 150 Jahre vorwiegend industriell genutzt. Erst seit ca. 10 bis 15 Jahren ist die industrielle Nutzung stark rückläufig bzw. großteils gar nicht mehr vorhanden. Heute existieren in diesem Bereich eine Veranstaltungshalle (Helmut List Halle), Gewerbe- und Handelsbetriebe, Bürogebäude und es liegen große Flächen als Brachflächen vor.

Zur Entwicklung des Quartiers wurde von der Stadt Graz in Zusammenarbeit mit den jeweiligen GrundstückseigentümerInnen ein Rahmenplan als Grundlage für die Flächenumwidmung erstellt. Dieser bildet die Grundlage für sämtliche künftigen Entwicklungen. Das Areal wurde hierzu in klar gegliederte Baufelder unterteilt. Die einzelnen Baufelder unterscheiden sich in ihrer Größe, Lage, Nutzung und Gunstlagen.

Im geänderten Flächenwidmungsplan (Änderung der Widmung z.B. von ehemals Industrie in Kerngebiet – dies ermöglicht eine Mischnutzung aus Wohnen, Handel und Büro) wurde für alle Baufelder eine Bebauungsplanpflicht ausgewiesen. Der Bebauungsplan soll erst nach Vorlage qualitätssichernder Verfahren (wie z.B. Architekturwettbewerbe) erstellt werden. Bei der Erstellung des Bebauungsplan ist insbesondere auch auf eine vielfältige Eigentümer- und Nutzungsstruktur zu achten.

Grün- und Freiflächen

Mit dem Rahmenplan ist ebenso eine Grün- und Freiraumstrategie formuliert worden, die einen qualitätsvoll gestalteten öffentlichen Freiraum für die jetzigen und künftigen BewohnerInnen des Stadtteils gewährleistet. Weiters werden damit wesentliche Freiraumqualitäten (Standards) für die zukünftige Entwicklung der einzelnen Baufelder festgelegt.

Der Freiraum am Areal wird durch zwei große öffentliche Freibereiche geprägt:

  • Öffentliche Parkanlage: insgesmat ca. 11.000 m² groß, 250 m lang, westlich und östlich der Waagner-Biro-Straße
  • Öffentlicher Platz: ca. 30 m breiter Platz in Nord-Süd-Richtung entlang der Waagner-Biro-Straße mit urbaner Gestaltung

Darüber hinaus werden ein Bezirkssportplatz (in Kombination mit einem geplanten Schulstandort) neu errichtet und die Waagner-Biro-Straße verbreitert und mit einer Baumreihe aufgewertet.

Durchwegungen und verkehrliche Maßnahmen

Zur Verbesserung der Durchwegungen werden neue Fuß- und Radwege sowie neue Erschließungsstraßen errichtet. Für die Gestaltung der Straßen wurden Regelschnitte erstellt und mit den Fachabteilungen der Stadt Graz abgestimmt.

Für die Verbesserung des Angebotes des Öffentlichen Verkehrs ist die Berücksichtigung einer Wendemöglichkeit für Straßenbahnen und / oder Autobusse im Nahbereich des Knotens Peter-Tunner-Gasse / Waagner-Biro-Straße erforderlich. Dies sichert für die Zukunft die Option einer Verlängerung der bestehenden Straßenbahnlinie von der Laudongasse bis zur Peter-Tunner-Gasse. Im Bereich der Peter-Tunner-Gasse wird geklärt, ob die ÖV-Trasse im Abtretungsbereich geführt werden darf. Als Variante könnte der Öffentliche Verkehr hier am Baufeld Nord entlang der nördlichen Grenze geführt werden.
Das Wenden der Straßenbahn bzw. Linienbusse erfolgt über eine Umrundung des Baufelds Nord, oder aus städtebaulicher Sicht weniger wünschenswert, im Nordwesten des Baufeld Nord. Entlang der Peter-Tunner-Gasse und bei der Helmut List Halle soll eine Haltestelle vorgesehen werden.

Baufelder

Für die My Smart City Graz Süd wurde ein Architekturwettbewerb durchgeführt. Die Fertigstellung ist im Herbst 2020. Hier entsteht ein Versorgungszentrum mit Wohnungen, Nahversorgung, Kinderbetreuung etc. Ebenso für die My Smart City Graz Mitte und Nord wurde Architekturwettbewerbe durchgeführt. Die Ergebnisse der Architekturwettbewerbe finden Sie hier. 

Der Science Tower wurde nördlich der Helmut List Halle errichtet und ist seit 2016 in Betrieb. Angrenzend zur Bahntrasse wird eine Bebauung als Lärmschutzmaßnahme errichtet. Ebenso eine Energiezentrale ist hier vorgesehen, um den Stadtteil energetisch zu versorgen.

Am Areal gegenüber der Helmut List Halle entsteht ein Schulcampus mit Volksschule und Neuer Mittelschule. Die Volksschule wird im September 2019 eröffnet.

Geschichtlicher Abriss

Im Jahr 1844 wurde die Eisenbahn in der Steiermark errichtet und der heutige Hauptbahnhof wurde bis zum Jahr 1847 errichtet. 1860 wurde die heute noch bestehende Graz-Köflach-Bahn (GKB) mit eigenem Bahnhof südlich der Eggenberger Straße hauptsächlich für den Kohletransport errichtet. Die Verbindungen vom Hauptbahnhof in die Grazer Innenstadt wurden ebenso ausgebaut: Zuerst die Annenstraße 1856, danach die Keplerstraße 1875 und 1897 wurde auch die westlichen Vororte Eggenberg und Wetzelsdorf mit der Innenstadt verbunden.

Die Eisenbahn brachte eine Mechanisierung der Industrie und damit eine starke Expansion der metallverarbeitenden Betriebe in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. Hier u.a. die Andritzer Maschinenfabrik, spätere Waagner-Biro AG, sowie die Greinitz AG, heutiger Cognos Stahlhandel und die Johann Weitzer Waggonfabrik, heutige Simmering Graz Pauker AG.

In Bahnhofsnähe wurden Häuserblocks für die Bahnangestellten errichtet, für die Metallarbeiter wurden Quartieren in der Alten Poststraße errichtet. Ebenso in Gries und Lend zogen vermehrt ArbeiterInnen zu, so dass sich von 1870 bis 1910 die EinwohnerInnenzahl von 15.000 auf 30.000 verdoppelte.

 

Während des 2. Weltkrieges wurden im Umfeld des Hauptbahnhofes zahlreiche Hallen von Bomben getroffen und weitgehend zerstört. Durch den Wiederaufbau in den 50er und 60er Jahren kam es in der Industrie zu einem Aufschwung und das Stadtbild veränderte sich massiv. Viele Häuser wurden abgerissen und durch Hochhäuser ersetzt, der Hauptbahnhof und das Industrieviertel waren vom ehemaligen Stadtrand ins nähere Zentrum gerückt.

Der Stadtteil rund um die Helmut List Halle liegt im Bezirk Lend, westlich des Hauptbahnhofs Graz. Das Gebiet war in der Vergangenheit vorrangig als Gewerbe- und Industriegebiet geprägt. Durch das Stadtteilentwicklungsprojekt My Smart City Graz entsteht hier ein Stadtteil für Wohnen, Arbeiten, Nahversorgung und Freizeit. Insgesamt soll der Stadtteil im Umfeld der Helmut List Halle für 3.500 BewohnerInnen Platz bieten, neue öffentliche Freiräume und Durchwegungen werden geschaffen. Ermöglicht wird diese Entwicklung durch die Fördermittel des Klima- und Energiefonds des Bundes für innovative Technologieprojekte, die als Startschuss für die Entwicklung des Areals umgesetzt werden sollen.